Prepaidtarife sind ein wesentlicher Bestandteil der Tariflandschaft im Mobilfunkbereich. Diese Option ermöglicht es dem Mobilfunknutzer, ein eingezahltes Guthaben abzutelefonieren. Besonders für Kinder und Jugendliche sowie für Wenigtelefonierer ist die Prepaidkarte eine gute Alternative zu einem Mobilfunkvertrag.

Die Vorläufer der Prepaidkarte: Telefonkarten und Kundenkarten
In den 1990er-Jahren kamen in vielen Endkundenbereichen verstärkt Kundenkarten mit einem aufgeladenen Guthaben auf. Mit ihnen konnten beispielsweise Kopierer bedient, Getränke aus dem Automaten gezogen oder Videos ausgeliehen werden. Ebenfalls um 1990 nutze die Deutsche Telekom dieses Grundprinzip bei der Einführung von Telefonkarten. Mit ihnen konnten Kunden an umgerüsteten Fernsprechzellen telefonieren.

Der Grundgedanke der Telefonkarten geht sogar noch weiter zurück: auf das Ende des 19. Jahrhunderts. Damals gab es im Deutschen Reich „Telephon-Billets“, die zu Gesprächen von bestimmter Dauer über öffentliche Telefone berechtigten. Diese Quittungen waren somit eine Art erste Prepaidkarte für Festnetztelefone.

Idee der Prepaidkarte für Handys
Den Grundgedanken von Kundenkarten und Telefonkarten vereinte die Firma Walter Siebel Elektronik aus Düsseldorf 1995 als „Siebels Guthabenkarte“. Damit war die erste Prepaidkarte für das Handy geboren. Das Unternehmen war als Anbieter von Mobilfunkgeräten daran interessiert, seinen Kunden individuell passende Angebote für die Handynutzung zu ermöglichen. Daher kombinierte Walter Siebel Elektronik die normale SIM-Karte eines Handys mit einem festen Betrag, der vom Kunden vor dem ersten Telefonat eingezahlt werden musste. Mit jedem Anruf wurden Gesprächsgebühren von dieser Prepaidkarte abgezogen. Siebels Guthabenkarte war anders als heutige Ausführungen nicht nur anonym nutzbar, sondern auch zeitlich befristet.

Arcor übernimmt die Idee der Prepaidkarte
Die Idee des Mobilfunkhändlers stieß regional auf großen Zuspruch. Bereits wenige Monate später wurde der damalige D2-Netz-Betreiber Mannesmann Arcor auf die Idee aufmerksam und setzte sie als Prepaidkarte für seine Mobilfunkkunden um. Etwa ein Jahr später zum Jahreswechsel 1996/1997 führte Arcor die Callya-Karte mit einer großen Werbekampagne ein. Handys konnten damit erstmals von einem breiten Kundenkreis auch ohne festen Vertrag genutzt werden. Bereits wenig später übernahmen erst E-Plus und dann die anderen großen Anbieter die Entwicklung der Prepaidkarte.

Prepaidkarte: Durchbruch erst nach knapp zehn Jahren
Obwohl Ende der 1990er-Jahre praktisch alle Mobilfunkanbieter eine Prepaidkarte als optionalen Tarif angeboten hatten, schreckten die Kunden vor den im Vergleich hohen Kosten für Gesprächsminuten und SMS zurück. Diese lagen deutlich höher als die Tarife bei den Festverträgen. Auch waren die einmaligen Anschaffungskosten für die Simkarte von rund 150 DM sehr hoch. Erst um 2004/2005 herum gelang der Prepaidkarte auf dem Markt der Durchbruch, als immer mehr Anbieter Tarife im Discountbereich anboten. Tchibo im Oktober 2004 mit einem Minutenpreis von 35 Cent und Simyo im Mai 2005 mit einem Minutenpreis von 19 Cent kann man aus heutiger Sicht als Preisbrecher bezeichnen. Zugleich wurden die Rufnummernmitnahme und damit der Anbieterwechsel deutlich vereinfacht, sodass durch den harten Wettbewerb der Preis für Prepaidkarten deutlich fiel. Heute sind Prepaidkarten je nach Anbieter zum Teil automatisch wiederaufladbar, wenn der Guthabenstand einen bestimmten Betrag unterschreitet.